Die Fjordcat

An Bord führte mich Ole in eine schöne Kabine direkt neben dem Ausschank für Süßspeisen. Die Menschen müsst ihr wissen, sind wahre Süßmäuler, denn die schlecken gerne Bonbons, Marmelade oder süßes Wasser. Cola nennen die das süße Zeug, verrückt oder?
Wir legten nur schnell unsere Sachen ab und dann sagte Ole, dass wir mal ein wenig in die Sechsbein-Bar gehen wollen. Dann erklärte er mir, dass die Sechsbein-Bar nur für Insekten gedacht ist. Olle Kellerasseln oder Gewürm musste also draußen bleiben, denn mit denen kehrte oft Unruhe ein. Wir gingen am Rand des großen Korridors entlang. Auf den riesigen Stühlen hatten sich die Menschen niedergelassen und stöberten in den Zeitungen oder sabbelten dummes Zeug. Am schlimmsten sind die Kinder der Menschen. Ständig stellen die uns nach, sobald sie einen von uns sehen. Nicht mal vor meinem Stachel haben die riesigen Plagegeister angst. Können die Eltern die nicht gleich darüber aufklären, dass es weh tut, eine Biene anzufassen?
Nein, erst lernen die wie man Mama sagt. Dumm, diese Menschen.
Na jedenfalls bemerkten uns die Kinder nicht und so konnten wir in die Sechsbein-Bar. Ole war ein kleiner Gentleman, trotz seines groben Aussehens. Er öffnete mir die Tür und wir steuerten sofort auf die Bar zu. Hier gab es alles, was uns Insekten so gut tut. Während ich ja eher was auf was Süßes stehe wollte Ole gleich einen großen Troll. Ich sah ihn ernst an und fragte was das denn sei. Er sagte mir, dass es ein Cocktail aus Fischblut, Abwaschwasser und Bier sei und wahnsinnig lecker schmecke.
Als ich das hörte, drehte sich mir fast der Magen um. Da blieb ich doch lieber bei meiner Honey-Moon. Honey-Moon wird von Bonbons oder Lutscher gewonnen, welche die Menschenkinder nur zu gerne einfach umher schmeißen. Dazu kommt noch ein wenig Med und schon hat man diesen leckeren Trunk. Man darf aber nur einen oder maximal zwei Honey-Moons trinken, sonst hat man am nächsten Tag oftmals kein echtes Fluggefühl und knallt immer gegen irgendwelche Wände oder Blumen. Also merkt euch das, wenn ihr einmal Honey-Moon probieren wollt, bitte nur ein Glas.
Ole kippte seinen Troll sofort hinter die Fühler und wischte sich mit seinem vierten Bein den Mund ab, um sich sofort einen zweiten Troll zu gönnen. Ich sah mich um und sah in einer Ecke einen Billardtisch stehen. Daran standen zwei weitere Wikingerkäfer, die Ole sehr ähnlich sahen. Beiden trugen auch einen Helm wie Ole. Doch beide sahen irgendwie gemein und böse aus. Der größere von Beiden bemerkte meinen Blick und zwinkert mir zu. Ich drehte mich schnell um doch im selben Augenblick hörte ich schon eine Stimme hinter uns.
„Hei Ole, wen hast Du denn da angeschleppt?“
„Hei Finn, hei Magnus ihr alten Dickköpfe. Das ist Stine. Sie hat eine lange Weltreise vor sich und ich habe die Ehre, ihr unser traumhaftes Land zeigen zu können.“
„Du alter Klabauter. Komm wir spielen eine Runde Billard. Deine kleine Freundin wird ja sicherlich nicht wissen, wie man mit den Kugeln umgeht, haha.“
„Halle ihr zwei Dickwänste.“ antworte ich. „Ihr habt wohl noch nie gegen eine echte Bienendame gespielt.“
„Hoho, na dann las mal sehen Kleine.“ prustet Finn und geht in Richtung Billard-Tisch.
Wir folgen ihm und Magnus legt sofort die Kugeln auf.
„Um was spielen wir eigentlich?“ fragt Magnus.
Ole flüstert mir schnell ins Ohr, dass ich keinen hohen Einsatz wählen soll, denn Magnus ist norwegischer Billard-Meister. Ich zucke mit den Achseln und sage eine Runde für die ganze Bar. Sofort haben wir die Aufmerksamkeit er gesamten Bar sicher und Magnus streichelt eingebildet seine Fühler. Sicherlich denkt er bereits daran, wie gut ihm der Troll schmecken wird, den er mir aus den Honigtöpfen ziehen wird.
Ich nehme die Kreide und fahre meinen Stachel aus. Ich nutze ihn als Queue. Bei uns Insekten kann jeder der hat, seinen Stachel als Queue nutzen. Ich setze zu meinem ersten Stoß an und versenke sofort eine halbe Kugel. Danach lass ich eine nach der anderen folgen bis Schwarz liegt. Ich setze an und versenke diese ebenfalls. Die Bar johlt und Magnus muss eine Runde ausgeben, worüber er sich scheinbar nicht sehr freut.
Ole hingegen lacht laut und klopft Magnus auf die Schulter.
„Wie hast Du das gemacht?“
„Ich bin deutsche Meisterin im Pool und Dreiband!“
Die Bar johlt laut auf und nun scheint auch Magnus wieder zu lächeln. Leider dauert die Fahrt nicht lange und ich verzichte auf meinen zweiten Honey-Moon, denn ich möchte vom nächsten Tag noch etwas erleben. Ole hingegen kippt sich schon wieder einen Troll hinter die Flügel und torkelt schon ziemlich stark. Ich schnappe ihn und ziehe ihn in unsere Kabine. Ole knallt sofort auf sein Bett und schlummert ein. Ich lege mich auch ein wenig hin, vergewissere mich aber vorher, wie spät es ist.
Noch knapp eine Stunde haben wir Zeit und ich weiß genau, dass Ole in einer Stunde arge Probleme haben wird, wieder hoch zu kommen.
Die Stunde ist schnell verflogen und ich will Ole wecken. Doch ich bin überrascht, denn der steht bereits im Bad und macht sich frisch, als wäre nichts gewesen.
„Ich wollte Dich gerade wecken, denn Kristiansand müsste bald zu sehen sein. Ich dachte ich bekomme dich nicht hoch, doch scheinbar ist der Troll dir nicht in den Kopf gestiegen.“
„Nein, drei kleine Trolle können mir nichts anhaben. Komm, wir gehen an Deck und sehen uns die kleinen Inseln und den Hafen von Kristiansand an. Ich fühle mich immer so wohl, wenn ich meine Heimat vor mir habe.

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One Response to Die Fjordcat

  1. [...] Die Fjordcat Hier könnt Ihr lesen, wie Reisebiene Stine den norwegischen Meister im Billard in die Knie zwingt und was Insekten in einer Bar trinken. Wohl bekomms. [...]

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